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Corona: „Alarmierende Folgen“ für Schüler

Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden psychisch und körperlich unter der Corona-Pandemie . Das zeigt eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit. Die Zahl der wegen Adipositas in den Krankenhäusern behandelten Mädchen und Jungen stieg 2020 gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent. Etwa ein Drittel mehr junge Patienten wurden wegen starken Untergewichts behandelt. Auch Fälle von Diabetes und Infektionen nahmen zu.

Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld werteten für den Kinder- und Jugendreport anonymisierte Informationen von rund 800.000 Patientinnen und Patienten im Alter bis 17 Jahren aus. „Die Krankenhausdaten zeigen alarmierende Folgen der Pandemie für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Deshalb müssen wir die speziellen gesundheitlichen Auswirkungen sehr ernst nehmen und darauf reagieren“, sagt DAK-Vorstand Andreas Storm.

Stationäre Behandlungen

Laut Report stiegen in Deutschland die Krankenhausbehandlungen von jungen Patienten mit starkem oder krankhaftem Übergewicht im Vergleich zwischen 2019 und 2020 um 60 Prozent an. Gleichzeitig wuchs 2020 die Menge der Kinder und Jugendlichen mit starkem Untergewicht um 35 Prozent. Stationär behandelte Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie stiegen ebenfalls um zehn Prozent. Auch die Typ-1-Diabetes-Diagnosen nahmen leicht zu.

Gesunken ist hingegen die Häufigkeit der behandelten Infektionskrankheiten. 80 Prozent weniger virusbedingte Darminfektionen sind während des Jahres 2020 verzeichnet worden. Mandelentzündungen gingen um 46 Prozent zurück. Ein Drittel weniger junge Patienten mit einer akuten Bronchitis wurden aufgenommen. Dafür sind laut Studie die Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen die Ursache.

Verhaltensstörungen nehmen zu

Die Behandlung von psychischen Erkrankungen blieb in Deutschland 2020 auf dem Niveau von 2019. Allerdings gab es starke Schwankungen: Im Frühjahr 2019 verzeichneten die Kliniken rund 30 Prozent weniger junge Patienten mit Verhaltensstörungen. Danach stiegen die Behandlungen aber wieder deutlich um 34 Prozent. Ähnlich sieht es bei Depressionen und Ängsten aus: Im ersten Lockdown sank die Zahl um rund 37 Prozent. Dafür nahm sie im zweiten Lockdown auf auf ein Plus von acht Prozent zu.

„Deutlich negative Effekte“

„Die Krankenhaus-Behandlungsfälle von Kindern und Jugendlichen gingen im ersten Lockdown stärker zurück als im zweiten. Gleichzeitig wurden aber mehr schwere Fälle behandelt“, betont Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. „Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben deutlich negative Effekte auf die Kinder- und Jugendgesundheit – vor allem in den Bereichen Körpergewicht und psychische Gesundheit“, so der Mediziner weiter. Es werde noch lange dauern, bis sich nach einem Ende der COVID-Bedrohung wieder eine Normalität einstellt.


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